Fossile Abhängigkeit kostet jeden Pflegebedürftigen 1.000 EUR mehr im Jahr

Kitas und Pflegeeinrichtungen heizen noch immer zu über 90 Prozent mit fossiler Energie, und das kostet sie inzwischen doppelt so viel wie vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Bei einer erneuten Krise wie dem Irankrieg könnten sich ihre Heizkosten gegenüber dem Vorkrisenniveau sogar vervierfachen. Das zeigt die Kurzstudie “Kostenfalle fossile Energie” von AWO Bundesverband und Klima-Allianz Deutschland. Die Mehrkosten belasten soziale Einrichtungen, Pflegebedürftige und öffentliche Haushalte.

Sowohl in der stationären Pflege als auch in Kindertagesstätten wird der überwiegende Teil der Wärme noch fossil erzeugt. Erneuerbare Energien spielen dagegen bislang kaum eine Rolle und machen in beiden Bereichen weniger als zehn Prozent aus. Entsprechend stark wirken sich steigende Energiepreise aus: Im Vergleich zur Zeit vor der Energiekrise 2022 haben sich die Heizkosten je Kitaplatz von ca. 61 Euro bereits auf 123 Euro verdoppelt. Legt man eine akute geopolitische Krise wie den Irankrieg zugrunde, kämen bei mehr als 61.000 Kitas in Deutschland jährlich sogar rund 600 Millionen Euro Mehrkosten für die Kommunen zustande. Für Pflegeeinrichtungen beziffert die Studie das zusätzliche Kostenrisiko mit 1.000 Euro pro Jahr für jede*n Bewohner*in.

Claudia Mandrysch, Vorständin AWO Bundesverband: „An den Einrichtungen der AWO sehen wir beispielhaft, dass die fossile Abhängigkeit sozialer Einrichtungen längst auch ein soziales und finanzielles Risiko darstellt. Wenn die Preise für Öl und Gas steigen, zahlen am Ende Pflegebedürftige, Familien, Kommunen und die sozialen Träger die Rechnung. Damit Kitas, Pflegeheime und andere soziale Einrichtungen ihre Gebäude sanieren und auf klimafreundliche Wärme umstellen können, braucht es jedes Jahr eine verlässliche Sanierungsmilliarde des Bundes und die Auslegung des Wirtschaftlichkeitsgebots, das die langfristigen Kosten berücksichtigt. Dann können uns Kostenträger nicht den Einbau einer Gasheizung vorschreiben, nur weil es kurzfristig günstiger ist. Der Hitzesommer hat gezeigt, dass wir keine Zeit mehr verlieren dürfen, um unsere Gebäude klimagerecht und –resilient zu bekommen. Wir erwarten von der Regierung, dass sie noch in dieser Legislatur liefert.“

Viviane Raddatz, Geschäftsführerin Netzwerk und Gesellschaft der Klima-Allianz Deutschland, erklärt: „Deutschland gibt jedes Jahr rund 80 Milliarden Euro für den Import von Öl und Gas aus. In Zeiten geopolitischer Krisen kann es fast doppelt so viel sein. Das Beispiel von Kitas und Pflegeeinrichtungen zeigt, wie unmittelbar diese fossile Abhängigkeit bei uns zu höheren Kosten im Alltag führt. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr es sich lohnt, unsere soziale Infrastruktur zu modernisieren und bei der Wärme auf Elektrifizierung und heimischen erneuerbaren Strom umzusteigen. Das senkt langfristig die Kosten, stärkt die regionale Wertschöpfung und macht uns unabhängiger von globalen Krisen. Die Bundesregierung ist deshalb aufgefordert die Elektrifizierungsrate deutlich zu verbessern.“

Link zur Studie: https://awo.org/wp-content/uploads/2026/202610_Kostenfalle-fossile-Energien.pdf

Link zur Sanierungsstudie Kitas: https://awo.org/wp-content/uploads/Pressemeldungen/2025/202511_Klimaschutz-und-fruehkindliche-Bildung.pdf

Link Gemeinsamer Appell zum Haushalt 2027, in welchem unter anderem die Sanierungsmilliarde gefordert wird. 

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